Impfempfehlungen für Erwachsene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

INHALTSVERZEICHNIS: 

 

01 | Warum sind Impfungen wichtig für Erwachsene?

Impfungen haben einen sehr hohen Stellenwert in der präventiven Medizin und stellen die effektivste Methode der Krankheitsprävention dar. Sie trainieren unser Immunsystem, Krankheitserreger zu bekämpfen, wodurch weltweit schwere Verläufe von Infektionen verhindert werden und auf diese Weise Millionen Menschenleben gerettet werden können. Die Ausbreitung von Krankheiten werden gestoppt und somit besonders vulnerable Menschengruppen geschützt.

Aufgrund der Wichtigkeit von Impfungen habe ich nun in dem folgenden Artikel eine Zusammenfassung der aktuellen Impfempfehlungen zusammengefasst.

02 | Welche Impfungen sind für Erwachsene empfohlen?

Hierbei möchte ich betonen, dass ich mich in der Zusammenfassung auf Empfehlungen für erwachsene Menschen insbesondere mit erhöhten Herz-Kreislauf-Erkrankungen beziehe.

03 | Impfarten einfach erklärt: Aktive und passive Impfungen

Zu Beginn möchte Ich Ihnen ein paar Grundsätze zum Thema Impfungen für ein besseres Verständnis zusammentragen.

Welche Arten von Impfungen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Impfungen. Hauptsächlich werden Totimpfstoffe verwendet, die nicht mehr aktive, somit abgetötete Erreger oder Bestandteile beinhalten. Daneben existieren Lebendimpfstoffe in Form abgeschwächter Erreger und schließlich neuere genbasierte Impfstoffe, die den Bauplan für Antigene (Substanzen, die vom Körper als „fremd“ erkannt werden) liefern. Alle Formen von Impfungen ist gemein, dass sie das Immunsystem aktivieren sollen, um Antikörper (Eiweiße des Immunsystems zur Abwehr vor Krankheitserregern) als Schutz vor der Erkrankung zu bilden. Somit entstehen eine Art „Gedächtniszellen“, die im Falle einer erneuten Erkrankung, die Art des Erregers erkennen, um früh- und rechtzeitig eine wirksame Abwehr zu erzielen.

Was ist eine aktive Impfung und wofür wird sie eingesetzt?

Aktive Impfung: Anregung des eigenen Immunsystem zur Ausbildung von Antikörpern. Beispiele sind Grippe, COVID-19, Tetanus, Masern.

Was ist eine passive Impfung und wann wird sie benötigt?

Passive Impfung: Gabe fertiger Antikörper, z.B. nach Erregerkontakt (Tetanus, Tollwut).

Wie entstehen Impfempfehlungen in Deutschland?

Impfempfehlungen werden aufgrund wissenschaftlicher Evidenz von nationalen und internationalen Fachgremien erstellt. In Deutschland gut bekannt ist die Ständige Impfkommission (STIKO); eine ehrenamtliche Impfkommission, die am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist. Die Empfehlungen werden anschließend vom „Gemeinsamen Bundesausschuss“ (G-BA) geprüft. Danach wird entschieden, ob eine Aufnahme in den Impfkatalog erfolgt.

04 | Grippeimpfung für Erwachsene: Wer sollte sich impfen lassen? 

Was ist Influenza und wie wird die Grippe übertragen?

Bei der Influenza handelt es sich um eine Viruserkrankung der Atemwege, die durch Influenzaviren meist vom Typ A und B verursacht wird, und vor allem in den Wintermonaten auftritt. Die Viren werden dabei durch Tröpfchen (Husten, Niesen, Sprechen) übertragen und vermehren sich in den Schleimhäuten der Atemwege.

Bei der Grippeimpfung handelt es sich um eine aktive Impfung, bei der abgeschwächte oder getötete Virusbestandteile verabreicht werden, um auf diese Weise eine Immunreaktion auszulösen. Wichtige Hersteller von Standard-Impfstoffen sind z.B. Vaxigrip, Influac, Influsplit und Xanaflu. Ein Hochdosisimpfstoff ist Efluelda.

Wer sollte sich gegen Influenza impfen lassen?

  • Standard-Empfehlung: alle Personen ab 60 Jahren – jährlich im Herbst. Dabei wird ein Hochdosis-Impfstoff oder ein Impfstoff mit Wirkverstärkung eingesetzt

  • Impfungen für Risikogruppen:

    • Schwangere ab dem 2. Trimester, ggf. auch schon ab dem 1. Trimester bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung

    • Chronische Krankheiten – z.B. Atemwege (Asthma, COPD), Herz-, Leber-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)

  • Immunschwäche oder HIV

  • Personal im Gesundheits-/Pflegewesen

  • Bewohner/innen von Alten-/Pflegeheimen

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Idealerweise im Herbst vor der Grippesaison, also September bis Oktober

Wie wird die Influenza-Impfung durchgeführt?

Es handelt sich um eine intramuskuläre Impfung, bei der meist ein kurzer Stich im Oberarm erfolgt.

Wichtig: Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, kann er grundsätzlich auch mit anderen Totimpfstoffen zeitgleich gegeben werden (z.B. COVID-19, Pneumokokken, RSV). Dabei wird allerdings in unterschiedlichen Armen geimpft.

Ist die Grippeimpfung sicher und wirksam?

Ja, Studien zeigen, dass die Wirksamkeit erhalten bleibt und die Nebenwirkungen vergleichbar sind mit zeitlich getrennten Impfungen. Häufig sind lokale Reaktionen oder leichte Allgemeinsymptome (Müdigkeit, Schmerzen).

05 | COVID-19-Impfung: Brauche ich eine jährliche Auffrischung?

Was ist COVID-19 und wie wird es übertragen?

Ähnlich der Grippe handelt es sich bei COVID-19 ebenfalls um eine virale Erkrankung, die von dem Erreger SARS-CoV-2 (Coronavirus) ausgeht. Der Begriff COVID-19 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2020 als offizielle Bezeichnung festgelegt, abgeleitet aus dem Englischen: COrona, VIrus, Disease (Krankheit). 19 steht dabei für das Jahr der Erstbeschreibung. Die Viren werden durch Tröpfchen und Aerosole (vor allem in Innenräumen) übertragen. Bei der Impfung handelt es sich ebenfalls um eine aktive Impfung, bei der das Immunsystem zur Bildung von Abwehrzellen (Antikörper) stimuliert wird.

Wer sollte sich gegen COVID-19 impfen lassen?

Viele Menschen denken, dass die Infektion oder die Grundimmunisierung bestehend aus 3 Impfungen ausreiche. Leider aber verhält es sich bei den Coronaviren ähnlich den Grippeviren. Es kommt jährlich zu Virusvarianten, die eine bereits bestehende Immunität durch Anpassung (Mutation) teilweise umgehen. Somit besteht die Gefahr, dass durch die nachlassende Immunität früherer Impfungen ein neues Risiko für eine Infektion mit schwerem Verlauf besteht. Sofern eine Basisimmunität besteht (3 Antigenkontakte, also Impfung oder Infektion), empfiehlt die STIKO daher eine jährliche Auffrischimpfung für:

  • Alle Menschen ab 60 Jahren als Standard

  • Personen ab 6 Monaten mit erhöhter Gesundheitsgefährdung infolge einer Grunderkrankung

    • Chronische Krankheiten – z.B. Atemwege (Asthma, COPD), Herz-, Leber-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes, Adipositas)

    • Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z.B. Demenz, neurologische/psychische Erkrankungen)

  • Trisomie 21

  • Erworbene oder angeborene Immunschwäche (z.B. HIV)

  • Aktive Krebserkrankungen

Wann und wie sollte die COVID-19-Impfung erfolgen?

Im Herbst vor der Saison, also September bis Oktober. Dabei kann eine gemeinsame Impfung mit der Grippeimpfung durchgeführt werden. Es erfolgt eine intramuskuläre Verabreichung des Impfstoffes.

06 | Pneumokokken-Impfung: Schutz vor Lungenentzündung im Alter

Was sind Pneumokokken und welche Krankheiten verursachen sie?

Eine weitere wichtige Impfung richtet sich gegen den bakteriellen Erreger „streptococcus pneumoniae“. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich um Bakterien, die bei weitem am häufigsten verantwortlich sind für die Ausbildung ambulant erworbener Pneumonien, also Lungenentzündungen. Die Pneumokokken besiedeln dabei am häufigsten den Nasen-Rachen-Raum. Das heißt, viele Menschen tragen sie, ohne krank zu werden. Allerdings können sie auch schwere Infektionen verursachen, besonders bei Risikogruppen. Neben der Lungenentzündung sind mögliche weitere Erkrankungen die Mittelohrentzündung, vor allem bei Kindern, und Nasennebenhöhlenentzündungen; Aber auch schwere Erkrankungen wie die Blutvergiftung (Sepsis) oder auch die Hirnhautentzündung (Meningitis). Übertragen werden Pneumokokken auch über Tröpfchen.

Wichtig: Gefahr der Super-Infektion: Pneumokokken-Bakterien können im Falle einer passageren Immunschwäche durch eine akute Viruserkrankung eine Begleitinfektion auslösen. Zwar können im Gegensatz zu einer viralen Erkrankung Antibiotika verabreicht werden, die wichtigste Maßnahme aber stellt dabei die Prävention durch die Möglichkeit der Impfung dar.

Wer sollte sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

  • Standard-Impfung für Erwachsene ab 60 Jahren

  • Menschen ab 18 Jahren, die einer Risikogruppe angehören:

    • Chronische Krankheiten von Herz-, Lunge- oder des Stoffwechsels

    • Personen mit Immundefekten

    • Personen mit neurologischen Erkrankungen

    • Personen mit erhöhtem beruflichen Risiko

  • Standard-Impfung für alle Kinder zwischen 2 Monaten und 5 Jahren

  • Schwangere ab dem zweiten Trimester (bei Risikofaktoren auch früher)

Wann und wie erfolgt die Pneumokokken-Impfung?

Die Pneumokokken-Impfung ist keine saisonale Impfung wie bei den bereits beschriebenen Impfungen gegen COVID-19 und/oder Grippe und muss somit nicht zwingend vor einer Saison erfolgen. Es wird dabei auch intramuskulär, meist in den Oberarm geimpft.

Welche Pneumokokken-Impfstoffe gibt es und was ist neu?

Ab einem Alter von 60 Jahren empfiehlt die STIKO eine Einmalimpfung. Dabei kommen heutzutage moderne, so genannte polyvalente Impfstoffe zum Einsatz, die gegen 20 verschiedene Pneumokokkenstämme schützen (PCV20).

In der Vergangenheit gab es andere Impfstoffe, die nun zunehmend durch die modernen Impfstoffe abgelöst wurden. Der Vorteil der neueren Impfstoffe ist eine stärkere und langanhaltendere Immunantwort.

Sie sollten hierfür einmal in das Impfbuch nach dem Namen schauen. Ein älterer, so genannter „Polysaccharid-Impfstoff“ (PPSV23) ist z.B. Pneumovax. Sollten Sie erstmalig dagegen geimpft worden sein, empfiehlt sich eine Auffrischung mit dem moderneren „Konjugat-Impfstoff“ nach mindestens 6 Jahren.

Welche Pneumokokken-Impfung ist für Erwachsene und Risikogruppen empfehlenswert?

Allen Menschen ab 60 Jahren oder ab 18 Jahren (Risikogruppe) wird die Erstimpfung mit dem modernen Impfstoff „PCV20“ empfohlen. Der Handelsname ist z.B. Prevenar 20.

Neue Empfehlungen für Kinder und Jugendliche ab 2 Jahren

Auch für Kinder und Jugendliche (ab 2 Jahren) mit Risikofaktoren gilt seit Januar 2026 eine neue Empfehlung: Die einmalige Impfung mit PCV20 ersetzt eine frühere „sequentielle“ Impfung, da sie als überlegen bewertet wurde. Wenn im Vorfeld eine solche sequentielle Impfung (PCV13/PCV15 + PPSV23) erfolgt ist, empfiehlt sich nach 1 Jahr (im Falle der letzten Impfung mit PCV13 = Prevenar 13 bzw. PCV 15 = Vaxneuvance 15) oder nach 6 Jahren im Falle der letzten Impfung mit PPSV23 = Pneumovax 23) mit dem neuen PCV20 Impfstoff (Prevenar20) nachzuimpfen.

Brauche ich eine Wiederholungsimpfung nach PCV20?

Zur Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung nach der Impfung mit PCV20 liegen derzeit noch keine verlässlichen Daten vor.

07 | RSV-Impfung: Für wen ist die neue Impfung sinnvoll?

Was ist das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV)?

Bei dem RS-Virus handelt es sich um weniger bekanntes Virus, das aber nicht weniger gefährlich sein kann und die Atemwege befällt. Es ist weltweit verbreitet und kann besonders bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Erwachsenen zu schweren Verläufen von Atemwegserkrankungen führen. Die Saison dauert in der Regel von Oktober bis März. Das Virus wird hauptsächlich über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Auch eine Übertragung über verunreinigte Hände und Oberflächen ist Möglich (Schmierinfektion).

In der Regel folgen leichte Atemwegsinfektionen, die meist mit den üblichen Zeichen der Erkältung einhergehen. Aber in bestimmten Fällen können auch schwere Verläufe auftreten, so dass die STIKO folgende Impfempfehlung ausspricht:

Wer sollte sich gegen RSV impfen lassen?

  • Standard-Schutzimpfung für alle Erwachsenen ab 75 Jahren

  • Menschen ab 60 Jahren, die einer Risikogruppe angehören:

    • Chronische Krankheiten von Herz-, Lunge- oder des Stoffwechsels (z.B. Diabetes)

    • Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten

    • Personen mit Erkrankungen des Nervensystems

    • Personen mit bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems

    • Personen, die in einer Pflegeeinrichtung wohnen

    • Prophylaxe bei Neugeborenen und Säuglingen (Passive Immunisierung durch Gabe von Abwehrstoffen = Antikörper)

Wann und wie erfolgt die RSV-Impfung?

Bei der Schutzimpfung handelt es sich um eine einmalige Impfung. Sie sollte idealerweise im Spätsommer oder Herbst erfolgen in Anlehnung an die RSV-Saison. Es erfolgt eine Injektion meist in den Oberarmmuskel. Auch diese Impfung kann parallel zu Grippe/COVID-19 Impfung gegeben werden.

08 | Gürtelrose-Impfung: Wer sollte sich gegen Herpes zoster impfen lassen?

Wer ist von Gürtelrose (Herpes zoster) betroffen?

Die Gürtelrose wird durch das „Varizella-zoster-Virus“ verursacht. Die Erstinfektion, meist im Jugendalter, sind die Windpocken. Somit kann jeder Mensch, der einmal an den Windpocken erkrankt ist, an Gürtelrose erkranken.

Im Rahmen einer Windpockenerkrankung verbleiben die Viren in den Nervenzellen und „schlummern“ dort. Sie können von dort reaktiviert werden, beispielsweise im Alter bei schwächer werdendem Immunsystem. Dabei entsteht ein schmerzhafter, bandartiger Ausschlag mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen (z.B. Gesicht oder Rücken/Rumpf). Die Flüssigkeit ist sehr infektiös, da sie die Viren enthalten. Das bedeutet, dass alle Menschen, die bislang noch keine Windpocken hatten oder dagegen geimpft wurden, angesteckt werden können. Aber nur dann, wenn sich die Bläschen mit dem Sekret öffnen. Die Flüssigkeit kann dabei auch auf Oberflächen gelangen und eine Schmierinfektion auslösen.

Problematisch ist, dass bei einem Teil der Betroffenen Schmerzen an der betroffenen Stelle über Monate oder sogar Jahre verbleibt (postherpetische Neuralgie).

Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?

Das höchste Risiko einer Erkrankung an Gürtelrose haben ältere Menschen, Personen mit Immunschwäche und Menschen mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen, so dass die STIKO folgende Impfempfehlung ausspricht:

  • Alle Menschen ab 60 Jahren als Standardimpfung

  • Alle Personen ab 18 Jahren mit angeborener oder erworbener Immunschwäche

  • Alle Personen ab 18 Jahren mit einer schweren chronischen Grunderkrankung von Lunge, Herz, Niere, Darm sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus. Ebenfalls dazu gehören Personen mit systemischer Grunderkrankung aus dem rheumatoiden Formenkreis

Wie erfolgt die Gürtelrose-Impfung und wie oft muss sie erfolgen?

Es erfolgt die intramuskuläre Injektion eines Totimpfstoffes (Shingrix) als aktive Impfung zweimal im Abstand von mindestens 2 und maximal 6 Monaten. Es hat sich gezeigt, dass die Zweimalimpfung eine gute Wirksamkeit zeigt zur Verhinderung der Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie. Eine Auffrischung ist nach derzeitiger Datenlage nicht erforderlich.

Früher wurde auch mit einem Lebendimpfstoff geimpft (Zostavax). Schauen Sie hierzu ggf. In das Impfbuch. Sollte dies der Fall sein, so empfiehlt sich die Nachimpfung mit Shingrix für den besseren, langanhaltenden Schutz.

Kann man sich nach einer Gürtelrose-Erkrankung noch impfen lassen?

Ja, die Herpes-zoster-Impfung kann auch an Personen gegeben werden, die bereits in der Vergangenheit daran erkrankt waren. Im Falle einer akuten Erkrankung sollte die Impfung um 6-12 Monate verschoben werden.

Was tun, wenn ich nicht weiß, ob ich Windpocken hatte?

Sollte ich nicht wissen, ob in der Vergangenheit eine Windpockenerkrankung vorausgegangen ist, kann trotzdem gegen Gürtelrose geimpft werden. Eine Ausnahme stellt dabei eine geplante Therapie dar, die das Immunsystem unterdrückt. Sollte der Test dabei zeigen, dass bislang keine Windpocken aufgetreten sind, würde zunächst eine Impfung gegen Windpocken folgen.

Neue STIKO-Empfehlung: Ab welchem Alter ist die Gürtelrose-Impfung sinnvoll?

Eine aktuelle, neue Empfehlung ist, dass die STIKO die Altersgrenze für Risikopatienten auf 18 Jahren abgesenkt hat. Bisher galt die Empfehlung für Menschen mit Risiko ab 50 Jahren. Aufgrund der hohen Infektionszahlen in Deutschland (ca. 300.000 bis 400.000/Jahr) mit zunehmendem Risiko im Alter wurde die Altersgrenze herabgesetzt.

09 | Tetanus-Impfung: Wie oft ist eine Auffrischung notwendig?

Was ist Tetanus und wie entsteht die Infektion?

Beim Tetanus handelt es sich um eine Infektion, hervorgerufen durch das Bakterium “clostridium tetani“. Dabei gelangt der Erreger durch verunreinigte Wunden in den Körper (z.B. Stiche, Kratzer, Schnitte) und vermehrt sich dort. Dabei gibt er Giftstoffe ab, die Nervenzellen beeinträchtigen können. Daher ist es nicht das Bakterium selbst, das die Krankheit verursacht, sondern das Gift, das es produziert. Das produzierte Gift ist ein Nervengift (Neurotoxin), dass u.a. wiederkehrende Krämpfe und Verkrampfungen der Hilfsmuskulatur (Gesicht, Bauch-, Hals- und Rückenmuskulatur) auslöst. Der Verlauf einer Tetanuserkrankung kann tödlich enden; Am häufigsten bedingt durch ein Versagen der Atmung infolge Krämpfen der zur Atmung beitragenden Muskulatur. Aufgrund hoher Impfraten ist der Wundstarrkrampf in Deutschland allerdings sehr selten geworden (<15 Fälle/Jahr).

Wo kommen Tetanusbakterien vor und wie stecke ich mich an?

Tetanusbakterien finden sich grundsätzlich überall in der Umwelt, vor allem im Erdreich, Straßenstaub, Holz und Tierkot (Pferde, Rinder). Im Falle von Verletzungen gelangen sie in den Körper. Sie sind nicht direkt von Mensch-zu-Mensch übertragbar.

Wer sollte sich gegen Tetanus impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die Impfung allen Menschen, die keine oder nur eine unvollständige Grundimmunisierung haben bzw. deren letzte Impfung > 10 Jahre zurückliegt.

Wie funktioniert die Tetanus-Grundimmunisierung für Kinder und Erwachsene?

Die Tetanus-Grundimmunisierung beginnt bei Säuglingen ab dem 2. Monat mit einer 3fachen Impfung im Alter von 2,4 und 11 Monaten, gefolgt von Auffrischungen im Vorschulalter und der Jugend. Dabei erfolgt Impfung meist als Kombinationsimpfung zusammen mit Diphterie, Keuchhusten (Pertussis) und Polio (Kinderlähmung).

Eine Grundimmunisierung ist jederzeit möglich, auch im Erwachsenenalter und folgt oft nach dem Schema 0-1-6 Monate.

Tetanus-Impfung nach Verletzungen: Was tun bei unsicherem Impfstatus?

Im Falle einer Verletzung und unklarem Impfstatus wird meist eine Auffrischung durchgeführt. Ansonsten verbleibt die Auffrischung alle 10 Jahre, wobei die nächste Impfung mit Keuchhusten und Diphterie als Kombination erfolgen sollte. Die Kombinationsimpfung mit Keuchhustenkomponente muss nur einmalig im Erwachsenenalter erfolgen.

Regelmäßige Impfungen sind ein wichtiger Schutz für Erwachsene – vor Grippe, COVID-19, Pneumokokken, RSV, Gürtelrose und Tetanus. Prüfen Sie Ihren Impfstatus, sprechen Sie mit Ihrer Praxis über individuelle Risiken und Termine, und sorgen Sie so aktiv für Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie.

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