Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Symptome, Diagnose und Behandlung

INHALTSVERZEICHNIS

01 |  Was ist eine Myokarditis? Ursachen und Häufigkeit der Herzmuskelentzündung

02 | Welche Ursachen kann eine Herzmuskelentzündung haben?

03 | Myokarditis erkennen: Typische Symptome und Warnzeichen

04 | Diagnose der Myokarditis: Welche Untersuchungen sind notwendig?

  • Blutuntersuchung: Troponin und Entzündungswerte bestimmen
  • EKG bei Verdacht auf Herzmuskelentzündung
  • Herzultraschall zur Beurteilung der Herzfunktion
  • Kardio-MRT: Die wichtigste Untersuchung bei Myokarditis
  • Herzmuskelbiopsie: Wann ist eine Gewebeprobe erforderlich?

05 | Verlauf und Prognose: Wie gefährlich ist eine Myokarditis?

06 | Behandlung der Myokarditis: Aktuelle Therapieempfehlungen

  • Milder Verlauf: Schonung und entzündungshemmende Behandlung
  • Herzschwäche durch Myokarditis behandeln
  • Ursachenorientierte Therapie bei speziellen Myokarditisformen
  • Intensivmedizinische Behandlung bei schweren Verläufen

07 | Sport nach einer Herzmuskelentzündung: Wann ist Belastung wieder erlaubt?

08 | Wann sollten Sie bei Verdacht auf Myokarditis einen Kardiologen aufsuchen?

09 | Fazit: Myokarditis früh erkennen und richtig behandeln

Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Symptome, Diagnose und Behandlung

Eine Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels (Myokard). Der Herzmuskel ist dafür verantwortlich, das Blut durch den Körper zu pumpen. Wenn er sich entzündet, kann seine Pumpfunktion beeinträchtigt werden. Weltweit erkranken jährlich etwa 4 bis 14 von 100.000 Menschen an einer akuten Myokarditis. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber häufig jüngere Erwachsene.

Welche Ursachen kann eine Herzmuskelentzündung haben?

Die häufigste Ursache sind Virusinfektionen. Dazu gehören unter anderem Erkältungsviren, Grippeviren (Influenza), Coronaviren (z. B. SARS-CoV-2) und Parvovirus B19. Typischerweise geht der Herzmuskelentzündung ein grippaler Infekt oder eine Magen-Darm-Infektion voraus.

Myokarditis erkennen: Typische Symptome und Warnzeichen

Die Symptome einer Myokarditis können sehr unterschiedlich sein – von kaum spürbaren Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Die häufigsten Anzeichen sind:

  • Brustschmerzen (bei 82–95 % der Betroffenen das Hauptsymptom)
  • Atemnot und Kurzatmigkeit (bei 19–49 %)
  • Herzstolpern oder Herzrasen (Herzrhythmusstörungen)
  • Ungewöhnliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • In seltenen Fällen Ohnmachtsanfälle (bei 5–7 %)

Häufig berichten Betroffene, dass sie wenige Tage bis Wochen zuvor einen Infekt der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts durchgemacht haben.

Diagnose der Myokarditis: Welche Untersuchungen sind notwendig?

Die Diagnose einer Myokarditis erfordert mehrere Untersuchungsschritte. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat in ihren aktuellen Leitlinien von 2025 ein umfassendes Konzept vorgestellt, das Myokarditis, Perikarditis (Herzbeutelentzündung) und Mischformen unter dem Begriff „entzündliches myoperikardiales Syndrom“ (IMPS) zusammenfasst.

Folgende Untersuchungen kommen zum Einsatz:

  • Blutuntersuchung: Troponin und Entzündungswerte bestimmen. Bestimmung des Troponins, eines Eiweißstoffs, der bei einer Schädigung des Herzmuskels ins Blut freigesetzt wird. Erhöhte Werte deuten auf eine Herzmuskelschädigung hin.
  • EKG (Elektrokardiogramm) bei Verdacht auf Herzmuskelentzündung: Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität. Veränderungen wie ST-Strecken-Hebungen oder T-Wellen-Veränderungen können auf eine Entzündung hinweisen.
  • Herzultraschall zur Beurteilung der Herzfunktion (Echokardiografie): Damit lässt sich die Pumpfunktion des Herzens beurteilen und feststellen, ob Wandbewegungsstörungen vorliegen.
  • Kardio-MRT (Kardiale Magnetresonanztomografie) – die wichtigste Untersuchung bei Myokarditis: Dies ist heute die wichtigste nicht-invasive Untersuchung zur Diagnose einer Myokarditis. Mit speziellen Aufnahmetechniken können Wassereinlagerungen (Ödem) und Narbengewebe im Herzmuskel sichtbar gemacht werden. Das Kardio-MRT gilt als bevorzugtes Untersuchungsverfahren bei stabilen Patienten.
  • Herzmuskelbiopsie (Endomyokardbiopsie): Wann ist eine Gewebeprobe erforderlich? Eine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel wird nur in bestimmten Situationen entnommen – etwa bei schwerem Verlauf mit Herzschwäche, Kreislaufschock oder lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Sie ermöglicht die genaue Bestimmung der Entzündungsart und ist wichtig, um die richtige Behandlung festzulegen.

Verlauf und Prognose: Wie gefährlich ist eine Myokarditis?

Die gute Nachricht: Etwa 75 % aller Patienten, die mit einer Myokarditis ins Krankenhaus kommen, haben einen unkomplizierten Verlauf. Bei ihnen heilt die Entzündung in der Regel folgenlos aus, und die Sterblichkeit liegt nahe bei null Prozent.

Allerdings gibt es auch schwerere Verläufe. Etwa 25 % der Betroffenen entwickeln eine eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens, Herzrhythmusstörungen oder eine akute Herzschwäche. In diesen Fällen liegt die Rate für Tod oder Herztransplantation bei etwa 12 % während des Krankenhausaufenthalts. Bei der schwersten Form – der sogenannten fulminanten Myokarditis mit Kreislaufschock – kann die Sterblichkeit oder die Notwendigkeit einer Herztransplantation innerhalb von 60 Tagen bei etwa 28 % liegen.

Langfristig erholen sich die meisten Patienten vollständig. Dennoch kann bei einem Teil der Betroffenen (bis zu einem Drittel) eine chronische Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie) entstehen. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind daher wichtig.

Behandlung der Myokarditis: Aktuelle Therapieempfehlungen

Entsprechend der aktuellen Empfehlungen der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) richtet sich das Behandlungskonzept danach, wie schwer die Erkrankung verläuft und welche Ursache dahintersteckt. Nicht jeder Patient braucht dieselbe Therapie – die Behandlung wird individuell angepasst.

Stufe 1: Milder Verlauf: Schonung und entzündungshemmende Behandlung

Wenn die Herzmuskelentzündung zwar nachgewiesen ist, das Herz aber noch normal pumpt, reichen in der Regel einfache Maßnahmen:

  • Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin lindern die Brustschmerzen und wirken entzündungshemmend.
  • Colchicin, ein bewährtes Medikament gegen Entzündungen des Herzbeutels, kann zusätzlich gegeben werden.
  • Körperliche Schonung ist entscheidend: Kein Sport, keine schwere körperliche Arbeit für mindestens 3 bis 6 Monate. Das Herz braucht Ruhe, um zu heilen.

Die gute Nachricht: Etwa drei Viertel aller Patienten fallen in die Kategorie 1 und erholen sich vollständig.

Stufe 2: Das Herz pumpt schwächer – „Herzschwäche behandeln“

Wenn die Entzündung die Pumpkraft des Herzens beeinträchtigt hat, kommen Medikamente zum Einsatz, die auch bei anderen Formen der Herzschwäche verwendet werden:

  • ACE-Hemmer oder ARNI – sie entlasten das Herz und senken den Blutdruck.
  • Betablocker – sie verlangsamen den Herzschlag und schützen das Herz vor Überlastung.
  • Entwässerungstabletten (Diuretika) – sie helfen, überschüssiges Wasser aus dem Körper zu entfernen, wenn sich Flüssigkeit in der Lunge oder den Beinen ansammelt.
  • SGLT2-Hemmer – ursprünglich für Diabetes entwickelt, haben sie sich auch bei Herzschwäche als wirksam erwiesen.

Diese Medikamente behandeln nicht die Entzündung selbst, sondern unterstützen das geschwächte Herz bei seiner Arbeit.

Stufe 3: Ursachenorientierte Therapie bei speziellen Myokarditisformen

Bei bestimmten Formen der Myokarditis kann das Immunsystem gezielt gebremst werden. Das ist aber nur sinnvoll, wenn vorher durch eine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel (Biopsie) zwei Dinge geklärt wurden:

  1. Welche Art von Entzündung liegt vor?
  2. Ist noch ein Virus aktiv? – Denn bei einer aktiven Virusinfektion darf das Immunsystem nicht unterdrückt werden, da der Körper das Virus sonst nicht bekämpfen kann.

Wenn kein Virus mehr nachweisbar ist, können je nach Entzündungstyp verschiedene Behandlungsoptionen eingesetzt werden:

Stufe 4: Intensivmedizinische Behandlung bei schweren Verläufen

In seltenen Fällen versagt die Pumpfunktion des Herzens so stark, dass der Kreislauf zusammenbricht (kardiogener Schock). Dann sind intensivmedizinische Maßnahmen notwendig.

Eine der wichtigsten Fragen, die ich im Zusammenhang mit einer Herzmuskelentzündung gestellt bekomme ist:

Sport nach einer Herzmuskelentzündung: Wann ist Belastung wieder erlaubt?

Ein besonders wichtiges Thema – gerade für jüngere und sportlich aktive Betroffene – ist die Frage, wann nach einer Myokarditis wieder Sport getrieben werden darf. Intensive körperliche Belastung bei noch aktiver Entzündung kann gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

Sowohl die europäischen als auch die amerikanischen Leitlinien empfehlen eine Sportpause von mindestens 3 bis 6 Monaten nach der Diagnose. Vor der Wiederaufnahme von intensivem Sport sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Keine Beschwerden mehr vorhanden
  • Normale Herzfunktion im Ultraschall oder Kardio-MRT
  • Keine Herzrhythmusstörungen im Langzeit-EKG und Belastungs-EKG
  • Normalisierung der Blutwerte (Troponin, Entzündungsmarker)

Bei Sportlern mit mildem Verlauf kann unter bestimmten Umständen eine Rückkehr zum Sport bereits nach 3 Monaten erwogen werden, sofern alle Kontrolluntersuchungen unauffällig sind. In den ersten zwei Jahren nach einer Myokarditis sollten regelmäßige kardiologische Kontrollen erfolgen, da ein Rückfallrisiko von etwa 3–10 % pro Jahr besteht.

Wann sollten Sie bei Verdacht auf Myokarditis einen Kardiologen aufsuchen?

Bei folgenden Warnsignalen – insbesondere nach einem kürzlich durchgemachten Infekt – sollte umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden:

  • Neu aufgetretene Brustschmerzen
  • Ungewöhnliche Atemnot bei Belastung oder in Ruhe
  • Herzstolpern, Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Ungewöhnliche Müdigkeit und Leistungsknick
  • Ohnmachtsanfälle oder Schwindelattacken

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann den Verlauf der Erkrankung entscheidend verbessern.

Fazit: Myokarditis früh erkennen und richtig behandeln

Die Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels, die meist durch Viren ausgelöst wird. Die Mehrzahl der Betroffenen erholt sich vollständig, doch schwere Verläufe sind möglich. Moderne Bildgebung – insbesondere das Kardio-MRT – hat die Diagnostik erheblich verbessert. Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Ursache. Körperliche Schonung und regelmäßige Nachsorge sind wesentliche Bestandteile der Genesung. Die aktuellen Leitlinien betonen einen individuellen, auf den Patienten zugeschnittenen Behandlungsansatz.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments