Die Wahrheit über Cholesterin …

Viele Menschen denken weiterhin, dass eine ungesunde Ernährung einzig für zu hohe Cholesterinwerte verantwortlich ist. Darüber hinaus erlebe ich immer noch, dass Menschen weiterhin die schlechten Eigenschaften des vor allem LDL-Cholesterins als Vertreter der „schlechten“ Cholesterine für das Herz-Gefäß-Risiko anzweifeln getreu dem Motto „der Mensch braucht ja schließlich auch Cholesterin“. Diese Tatsache ist grundsätzlich korrekt, aber nicht in der Höhe, wie ich Sie sehr häufig antreffe.

Was genau ist eigentlich LDL-Cholesterin?

LDL steht für „low-density-lipoprotein“. Lipoproteine sind Komplexe aus Fett und Eiweiß, da Fette nicht wasser- bzw. blutlöslich sind. Wenn Fette über die Nahrung aufgenommen werden oder von unserem Körper produziert werden, lassen sich im Blut nicht alleine lösen (ähnlich dem Bratfett in der Pfanne im Gemisch mit Wasser – es bilden sich Fettaugen). Sie benötigen einen Transporter. Die Eiweiße (Proteine). Die Transportproteine besitzen eine Art „Rucksack“, in denen sie die Fette transportieren. Je nachdem wie voll dieser ist, sprechen wir von mehr oder weniger dicht (density). Es gibt unterschiedliche Lipoproteine, die allesamt aber nicht gleich gute bzw. schlechte Eigenschaften besitzen. Am meisten bekannt ist das HDL und das LDL- Cholesterin.

Mittlerweile ist der Zusammenhang zwischen LDL-Cholesterin und Entstehung / Fortschreiten der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) unbestritten und wissenschaftlich eindeutig belegt.

Wichtig dabei ist die Tatsache, dass die Zeit, mit der unser Körper zu hohen Werten ausgesetzt ist, von großer Bedeutung ist (Lebenszeitexposition). Sehr hohe Werte machen damit ein frühes Auftreten von Herz-Kreislauf-Ereignissen (z.b. Herzinfarkt) wahrscheinlicher!

Umso wichtiger erscheint die frühe Diagnosestellung und die Besprechung therapeutischer Optionen. Also frühes Handeln entgegen der Vorstellung wie ich sie sehr häufig erlebe “Ich bin doch noch jung, zu jung, um Medikamente zu nehmen.

 

Wie hoch „dürfen“ die Werte denn nun liegen und wann ist therapeutisches Handeln notwendig?

Häufig sehen wir auf den Laborausdrucken Referenzwerte für die Blutfette, die zwar gelten, aber nicht für jeden in gleichem Maße. Die Referenzwerte müssen nämlich risikoadjustiert bewertet werden. Das bedeutet, jemand der z. B. bereits einen Herzinfarkt erlitten hat, besitzt ein sehr hohes Risiko, einen weiteren zu erleiden. Im Gegensatz zu der Person, die de facto keine Risikofaktoren hat und somit ein deutlich erniedrigtes Herz-Gefäß-Risiko trägt. Für diese Mensch gelten dann auch andere Leitlinienempfehlungen. Die Fachgesellschaft(en) der einzelnen Disziplinen in der Medizin geben eine Art „Richtlinie“ vor. Diese Empfehlungen basieren dann mehr oder auch weniger auf wissenschaftlicher Grundlage.

Zum Beispiel: Für Menschen mit einem sehr hohen Risiko ( z. B. nach Herzinfarkt) empfiehlt die Leitlinie, basierend auf eindeutiger wissenschaftlicher Grundlage, einen LDL-Wert von < 55mg/dl. Während Menschen mit niedrigem Risiko empfohlen wird, Werte von < 116mg/dl anzustreben.

 

Wie erreiche ich nun die Werte?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der folgendes Wissen erfordert: Der Anteil des über die Nahrung aufgenommenen (LDL-) Cholesterins ist sehr niedrig. Bei weitem überwiegt die Produktion in unserer Leber. Natürlich hängt es auch von der aufgenommenen Fettqualität ab. Gesättigte Fettsäuren (häufig in tierischen Nahrungsmitteln wie Butter, Schmalz, Fleisch, Wurst) und Transfette (frittierte Speisen) erhöhen das LDL-Cholesterin, senken das HDL und wirken sich ungünstig auf das Fettprofil aus. Daher lautet die Empfehlung häufig, auf den Verzehr von einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (u.a. pflanzliche Öle, Nüsse, Avocado) zu achten; Darüber hinaus auf ein Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6 von eins zu fünf (oder niedriger). Das bedeutet in der Zusammenfassung, dass eine fettgesunde Ernährung selbstverständlich einen Einfluss auf die Höhe des LDL-Cholesterins hat. Dennoch muss an dieser Stelle der Aspekt der genetisch zugrundeliegenden Fettstoffwechselstörungen genannt werden, der einen sehr großen Anteil hat. Häufig verstecken sich hinter hohen Werten eine genetische Grundlage, insbesondere bei den Menschen, bei denen wir es weniger vermuten.

Das wiederum limitiert natürlich auch die Möglichkeit über Ernährungsmaßnahmen den LDL-Spiegel zu senken, so dass bei sehr hohen Werten dann auch eine medikamentöse Therapie notwendig ist.

Häufig erlebe ich Zweifel der Patienten, denen ich eine medikamentöse Therapie nahelege, da sie mehr die Nebenwirkungen als die eigentliche Wirkung fürchten. Darüber hinaus existieren leider auch negative Erfahrungsberichte, die per se bei vielen Menschen zu einer Abneigung gegenüber medikamentöser Therapiemöglichkeiten führen und diese schließlich VOR Beginn ablehnen („Nocebo-Effekt“). Jede Therapiemaßnahme hat seine Wirkung und mögliche Nebenwirkungen. Daher muss die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie immer gut begründet und in aller Sachlichkeit das „Für und Wider“ mit jedem Patienten besprochen werden, um die Unwissenheit über die Zusammenhänge zu beseitigen. Schließlich wollen wir das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im Leben senken! 

Sehr viele meiner Patienten lassen sich schließlich überzeugen, wenn sie sehen, dass eine restriktive Einschränkung der Fettaufnahme über die Nahrung zu keinen wesentlichen Effekten in der Reduktion des LDL-Spiegels führt.

Ein weiterer wichtiger Wert im gesamten Fettprofil ist das Lipoprotein (a). Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Eiweißstoff, der Fette im Blut transportiert. Gemäß wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahre wirkt sich ein erhöhter Wert (> 30mg/dl) ungünstig auf die arteriellen Blutgefäße aus: Es fördert Arteriosklerose und damit das Herz-Kreislauf-Risiko.

Entscheidend ist, dass der Wert sich im Laufe eines Lebens kaum verändert; Er ist so zu sagen genetisch determiniert. In diesem speziellen Falle wirken sich Ernährungsumstellungen oder sportliche Aktivität nicht günstig auf den Wert aus. Medikamente zur direkten Senkung stehen aktuell nich nicht zur Verfügung, wenngleich sich Medikamente in der Erprobung befinden. Umso wichtiger ist, dass andere, weitere Risikofaktoren betrachtet und konsequent behandelt werden müssen. Die Bestimmung des Lipoproteins (a) sollte immer Bestandteil des Lipidprofils sein! Es kann durchaus „das Zünglein an der Waage“ sein für Therapieentscheidungen.

Zusammenfassend:

  • Achten Sie bewusst auf die Fettwerte in Ihren Laborergebnissen (Gesamtcholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride). Zusätzlich sollten alle Lipoproteine numerisch erfasst werden, die sich ungünstig auf die Gefäße Auswirkungen und die Arteriosklerose fördern (Non-HDL = Gesamtcholesterin minus HDL)
  • Bewusste Bestimmung des Lipoproteins (a) in Ergänzung zum „normalen“ Fettprofil
  • Die Thematik der Fettstoffwechselstörungen ist nicht trivial. Erhöhte Werte haben eindeutig einen ungünstigen prognostischen Wert!
  • Bei erhöhten Werten empfiehlt sich eine Gefäßuntersuchung (u.a. Ultraschall), um die bisher möglichen Auswirkungen auf das Gefäßsystem (Arteriosklerose) zu bestimmen.
  • Es bedarf immer einer sorgfältigen Betrachtung des Lipidprofils mit Besprechung therapeutischer Notwendigkeiten und Möglichkeiten
  • Ein weiterer wichtiger Punkt: Die zur Behandlung von erhöhten LDL-Werten eingesetzte Medikamente sind die sogenannten Statine. Sie haben allerdings nicht nur eine cholesterinsenkende Eigenschaft. Sie sorgen zudem für eine Stabilisierung arteriosklerotischer Veränderungen („Plaques“) und Regulation entzündlicher Prozesse an der Gefäßwand (bedingt durch die Gefäßverkalkung). Ein ganz entscheidender Punkt in der Behandlung: Die Gefahr eines Aufreißens von Plaques (Ruptur) wird gesenkt! Herzinfarkten zum Beispiel liegt sehr häufig eine Plaqueruptur zugrunde.
  • Noch ein kleiner Hinweis: Statine können in wenigen Fällen muskuläre Beschwerden verursachen (eine Art Muskelkater). Es gibt mittlerweile Alternativen in der medikamentösen Behandlung der Hypercholesterinämie, so dass eine Fettstoffwechselstörung nicht als „Schicksal“ unbehandelt bleiben muss!
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