Einen Herzinfarkt erkennen und richtig handeln

01 | Der Herzinfarkt

Der Herzinfarkt beschreibt eine akute, plötzliche Minderversorgung eines Herzmuskelbereiches infolge eines Verschlusses einer Herzkranzarterie (Abbildung 1b). Das tückische ist, dass sich ein Herzinfarkt zuvor leider nicht „ankündigt“. Ursächlich für einen plötzlichen Verschluss ist meist ein Aufreißen (Ruptur) einer Plaque (Gefäßverkalkung) an der Gefäßwand („Plaqueruptur“). Dabei kommt es zu einer Aktivierung des Gerinnungssystems und es entsteht ein Blutgerinnsel (Thrombus) in dem Gefäß, welches zu einem thrombotischen Verschluss der Herzkranzarterie führt. Folglich erleidet der Herzmuskel in dem Bereich eine akute Unterversorgung mit Sauerstoff (Siehe Abbildung 1b). Häufig werde ich gefragt, ob der Hinterwand- oder Vorderwandinfarkt der Schlimmere ist. Die Antwort lautet: Jeder Infarkt ist potenziell lebensbedrohlich; Die „Seite“, ob Hinter- oder Vorderwand, bestimmt nicht die Schwere des Infarktes.

Herz mit intakter Gefäßversorgung

Abb 1a.: Herz mit intakter Gefäßversorgung

Abb 1b.: Herzinfarkt

02 | Folgen der Sauerstoffunterversorgung

Je länger der Herzmuskel ohne Sauerstoff ist, desto größer und wahrscheinlicher wird die Infarktzone. Das prekäre an einem Herzinfarkt ist, dass sich abgestorbenes Herzmuskelgewebe nicht erneuert, sondern durch eine Art Bindegewebe ersetzt wird. Die Folge ist, dass sich daraus eine Herzschwäche entwickeln kann und sich die Pumpkraft des Herzens dadurch minimiert. Aber nicht nur eine Abnahme der Herzmuskelkraft resultiert, sondern in der Folge auch sich entwickelnde lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, sowohl in der akuten Phase des Herzinfarktes als auch in den späteren Phasen.

03 | Warum können sich Herzrhythmusstörungen entwickeln?

Das besondere, einzigartige des Herzens ist, dass jede Herzmuskelzelle befähigt ist, elektrische Reize/Ströme zu leiten und zu generieren. Dadurch schlägt unser Herz. Damit dies geordnet und synchron abläuft, geschieht dies über „elektrische Leitungsbahnen“ („Reizleitungssystem“; Abbildung 2). Dabei wird der Reiz im Bereich der Vorhöfe gebildet, im so genannten Sinusknoten; Läuft anschließend über Leitungsbahnen zum AV-Knoten, wo er nun auf die Herzkammern übertragen wird und sich jeweils auf die linke und rechte Herzkammer ausbreitet. Er ist unser natürlicher Taktgeber und bestimmt damit unseren Puls. Durch die regelmäßige Wiederholung entsteht unser Herzrhythmus, der sich den Bedürfnissen des Organismus anpasst und durch Nervensignale und Hormone beeinflusst wird.

Im Falle einer Minder-/Unterversorgung des Herzmuskels infolge des Infarktes kann das Reizleitungssystem ebenfalls geschädigt werden. Es können Leitungsblockierungen auftreten oder gar aktiviert werden bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen (Kammerflimmern).

Das bedeutet, je rascher die Diagnose eines Herzinfarktes gestellt wird und je schneller die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels wiederhergestellt wird, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden.

In diesem Fall ist der erste entscheidende Schritt, die frühzeitige Alarmierung eines qualifizierten medizinischen Personals mit begleitendem (Not-) Arzt.

04 | Welche Symptome können sich nun bei einem Herzinfarkt äußern?

HerzinfarktzonenTypische Anzeichen für einen Herzinfarkt sind unter anderem starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust. Teilweise bestehen brennende oder drückende Schmerzen hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in den linken oder rechten Arm, in den Kiefer Bereich, sowie Rücken Hals oder auch Oberbauch (siehe Abbildung).

Allerdings treten diese alarmierenden Schmerzen nicht immer auf, sondern es können auch untypische Symptome entstehen, die zunächst nicht auf einen Herzinfarkt hindeuten. z. B. Rückenschmerzen, die erst einmal an ein Rückenleiden denken lassen. Nicht selten werden diese anhaltenden Beschwerden toleriert, man nimmt zunächst Schmerzmedikamente und wartet ab. Nahezu plötzlich einsetzende, unerklärliche und anhaltende Rückenschmerzen sind verdächtig und sollten im Zweifel direkt abgeklärt werden.

Neben den genannten Beschwerden treten nicht selten vegetative Begleitreaktionen auf in Form von Angstschweiß mit kalter, fahler Haut. Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, spüren nicht selten eine Angst, sogar Todesangst. Übelkeit, Erbrechen oder auch Atemnot mit begleitenden Schmerzen im Oberbauch, gerade bei Frauen, die nicht selten atypisch auf einen Herzinfarkt reagieren, sollten rasch handeln und umgehend einen Rettungswagen mit Notarzt rufen.

05 | Was passiert im Falle eines akuten Herzinfarktes?

Neben der sofortigen, raschen Erkennung des Herzinfarktes durch den Arzt ist ein umgehender, zügiger Transport in ein Krankenhaus angezeigt, welches über die speziellen Behandlungsmöglichkeiten mit Überwachung verfügt.

So genannte „Chest-Pain Units“ (Brustschmerzambulanz) sind direkte Anlaufstellen, die sich umgehend mit dem Symptom „Brustschmerz“ auseinandersetzen und sofort weitere Maßnahmen einleiten. Es erfolgt die umgehende Verlegung in das Herzkatheterlabor. Dort wird mittels Herzkatheteruntersuchung das zugrundeliegende mechanische Problem, die verstopfte Koronararterie, erkannt und mittels Ballon- und Stentprozedur behandelt.

Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint der Hinweis, NICHT selbst mit dem PKW in das Krankenhaus zu fahren. Zum einen können sich auf dem Weg dorthin weitere Komplikationen mit schwerwiegenden Folgen ergeben. Zum anderen geht es um die schnellstmögliche medizinische Versorgung.

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